Erntehelfer an der Mosel

Die letzten Urlaubstage dieses Jahres führten uns an die Mosel nach Neef. Eigentlich ein ganz ungewöhnliches Reiseziel für uns. Gereizt hat uns die Aussicht, bei der Weinlese zu helfen und das hatten wir tatsächlich auf unserer „Todo-Liste“. Über drei Ecken und über unsere lieben Nachbarn war ein Winzer bekannt, der sich über norddeutsche Erntehelfer freut. So reisten wir vom 01.10.2020 bis zum 05.10.2020 in die Weinberge zum Weingut Alfons Nelius in Neef an der Mosel.

Nach ca. 600 km und 6 Stunden Autofahrt war das Ziel erreicht. Neef ist ein kleiner Ort direkt an der Mosel mit vielen historischen Gebäuden. Ein ehemaliges Kloster, das zwischendurch auch mal eine Schule war, beherbergt nun 6 Ferienwohnungen und in einer waren wir untergebracht. Viele Winzer verkaufen hier gleich vom Erzeuger und die „Multifunktionsgarage“ vom Weingut Alfons Nelius war gleich ums Eck. Hier kann leckerer Wein gekauft werden. Für jede Flasche wird ein „Strich“ gemacht und zum Schluss bezahlt. Hier werden auch die Vorräte für zu Hause eingekauft. Hauptsächlich werden hier aber die geernteten Weintrauben weiterverarbeitet – aber da sind wir noch nicht.

Am ersten Abend gibt es als Vorschuss auf unsere Ernteleistung schon einen geselligen Abend bei Willi und Anne, den Winzern, und einen Vorgeschmack auf die leckeren Weine.

Am Freitag um 8.00 Uhr wird es ernst. Treffen bei Willi und Anne. Es geht auf den Berg, den Neefer Frauenberg.

Wer will, kann mit dem Trecker mitfahren – sitzend auf dem Anhänger – ein echtes Abenteuer.

Die Weinberge an der Mosel sind sehr steil und können deshalb nur per Hand abgeerntet werden und nicht mit Maschinen. Deshalb ist Hilfe willkommen. Es ist richtig steil – gewöhnungsbedürftig.

Große Kisten werden verteilt und die sollen nach einer kurzen Einweisung voll gepflückt werden. Was darf alles von der Rebe abgeschnitten werden? Die Vorjahrestriebe und natürlich die Trauben. Was muss stehen bleiben, um die nächste Ernte nicht zu gefährden?  Zaghaft wird begonnen.

Bald füllen sich die Kisten und es gibt immer Neue zum Befüllen.

Willi und Tobi krakseln durch den Berg, um die Kisten zu holen und zu bringen. Zum Hochziehen gibt es eine Art Schlitten – das einzige Hilfswerkzeug.  

Wie es sich gehört gibt es um 10.00 Uhr Kaffee und Brötchen und um 12.00 Uhr Mittag mit Grillwurst.

Die Verpflegung ist perfekt. Die Reben tragen gut und schon nach der Hälfte des Weinberges ist der Anhänger voll und für heute Feierabend.

In der Garage kommen die Trauben aus dem Hänger in die Saftpresse und nach kurzer Zeit sind 950 l Traubensaft ausgepresst und laufen gleich in den Tank zum Gären.

75 Öchsle sollen die Trauben haben. Der Jahrgang 2020 wird gut!

Derweilen kosten wir noch ein paar Vorjahresweine und befinden diese auch für gut. Der Abend klingt in einer Pizzeria in Neef aus. Wir sind ganz schön müde!

Mit dem Wetter haben wir gar kein Glück. Von einem goldenen Oktober ist nichts zu spüren. So regnet es auch am Samstagvormittag und der Ernteeinsatz verschiebt sich auf den Mittag. So schlimm ist der Regen aber nicht, dass nicht noch ein Spaziergang unternommen werden kann. In 2,5 km Entfernung steht die Ruine vom Kloster Stuben. Der Weg geht entlang der Mosel und an der anderen Seite wird er von Weinbergen gesäumt. Direkt am Ufer wachsen viele Wallnussbäume. Wenn man genau schaut, findet man welche.

So, der Arbeitseinsatz naht und zwei Stunden später ist der Weinberg abgeerntet. Heute waren wir schon erheblich schneller. Mit Stolz wird noch mal die Weiterverarbeitung beobachtet und es gibt Federweißen zum Kosten. Sehr lecker!  Gegessen wird heute in Ediger-Eller, ca. 5 km die Mosel entlang. Auch der Ort ist klein und historisch. Direkt an der Mosel gibt es einige Restaurants. Jetzt, auch wegen Corona, haben die nicht lange auf und die Auswahl muss schnell getroffen werden. Besondere landestypische Speisen haben die meisten Gaststätten ohnehin nicht. So gibt es am Ende Schnitzel, Currywurst und Flammkuchen. Das entspricht so in etwa der hier üblichen Auswahl. Um 20.00 Uhr sind hier wirklich die Bürgersteige hochgeklappt und wir fahren mit der Bahn zurück. Der Nahverkehr ist hier sehr gut ausgebaut, so dass man auch ohne Auto mobil sein kann. Ist auch besser bei dem Weinangebot.

Der Sonntag ist arbeitsfrei und eine kleine Wanderung steht auf dem Programm.

Es geht in die Höhe auf den Buchsbaumweg und in einer Schleife zurück nach Neef. Natürlich nicht ohne eine Wein – Trink-Pause.

Es werden ca 10 km. Der Natur ist hier wirklich schön. Es gibt viele Schlehen, von denen wir einige pflücken und schöne Wildblumen, die wir auch pflücken für einen schönen Strauß für unsere Gastgeberin.

Heute wird nämlich noch mal bei Willi und Anne gegessen. Es gibt ein Gericht aus einem „Dutch Oven“.

Der wird mit Fleisch, Gemüse und Soße gefüllt und auf das offene Feuer gestellt. Oben drauf noch ein paar Holzkohlen. Zwei Stunden später, in denen man gemütlich um das Feuer gesessen und Wein getrunken hat, ist das Menü fertig. Sehr lecker!

Der Abend wird fröhlich – für uns der letzte Abend.

Wie (fast) immer, muss um 10.00 Uhr die Ferienwohnung geräumt werden. Vorher wird noch Wein gekauft und dann alles verstaut. Auch die große Wallnusstüte mit den gejagten Wallnüssen. Auf dem Rückweg werden noch Äpfel gepflückt von einem Streuobstbaum und dann wollen wir noch nicht gleich nach Hause. Es geht noch nach Bernkastel-Kues, ein größerer Touristenort an der Mosel.

Aber leichter gesagt als getan. Auch hier wimmelt es von Umleitungen und Straßensperren. Die abenteuerliche Anreise hat sich aber gelohnt. Es ist ein schöner Ort mit einigen Sehenswürdigkeiten. Scheinbar war auch gerade ein Flusskreuzfahrtschiff angekommen. Die sieht man häufig auf der Mosel fahren. Um 20.00 Uhr sind wir wieder nach schönen, ereignisreichen, aber auch erholsamen Tagen zu Hause. Nun sind die Urlaubstage leider auch verbraucht.

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